Gestern, Samstag den 22.08.09, nahm ich an der großen Inselrundfahrt über Sylt teil. Was ich mir so merken konnte, teile ich euch hier mit:
Sylt ist mehr als eine Insel in der Nordsee!
40km Strand, Raue Brandung im Westen, ruhiges Wattenmeer im Osten, urige Dünen und Deiche. Blühende Heide, das Rote Kliff, Tagträume und Kampener Nachtleben. Es gibt den Trubel in Westerland und die Abgeschiedenheit in Tinnum, insgesamt 12 Orte und keiner ist gleich. Die Insel der Reichen und Schönen, der einfachen Leute und Kurgäste.
- Westerland: Die „Hauptstadt“ der Insel. Mit der größten Flanier- und Shoppingmeile, der Friedrichstraße. Viele kleine Geschäfte, brütende Sonne und Kühles Nass – alles auf einer Straße. Beginnend am Hauptbahnhof zieht sie sich etwa 1km von Ost nach West, direkt an die Kurpromenade und den Strand.
- Wenningstedt-Braderup: Von hier sollen einst die Angelsachsen aufgebrochen sein, um England zu erobern. Davon ist heute nichts mehr übrig geblieben, ein Café mit Schweizer Speziallitäten ist heute Hauptanzugspunkt. Wer hierfür nichts übrig hat, den spricht vielleicht das über 4000 Jahre alte Steingrab an. Wennigstedt-Braderup, das ist West- und Ostküste zugleich! Hier beginnt das Rote Kliff, die 50m hohe Steilküste, die Wenningstedt mit Kampen verbindet.
- Kampen: Kampen, das alte Kapitänsdorf; Kampen, der Nobelvorort. dort wo das Ortsbild Jahrhunderte lang von Landwirtschaft geprägt war, befindet sich heute die sogenannte Whiskey-Straße, ein Nachtlokal neben dem anderen. Hier sind die Bewohner so arm, das sie sich nicht einmal ein Dach auf ihren Autos leisten können, so scherzte unser Busfahrer. Reinhard Mey, Mike Krüger, Johannes B. Kerner und viele andere Leben hier bzw. haben hier eine Immobilie. Mehrere ungeöffnete Hünengräber, eine alte Ringwallanlage usw. wer mit dem Rad unterwegs ist, kann hier viel sehen und noch mehr Bilder machen. Aus dem Bus geht das leider nicht immer. Es gibt für Kampen übrigens eine Verordnung aus dem Jahre 1912, die noch heute gültig ist, das alle neuen Häuser dem Ortsbild entsprechen sollen, d. h. in Klinkerbauweise mit Reetdach errichtet werden müssen.
- List: Die Nördlichste Fischbude Deutschlands, so bezeichnet sich der hier ansäßige Fischhändler „Gosch“ selbst. Aber List bietete mehr als nur dies. So ist im Hafen der Seenotrettungskreuzer „Minden“ von der DGzRS stationiert. Von hier starten ettliche Ausflüge, z.b. mit der Fähre nach Rømo, zu den Seehundsbänken, Inselrundfahrt vom Wasser aus usw.
Nachdem der Norden nun erkundet ist, geht es zurück in Richtung Sylter Friesendörfer, also Tinnum, Keitum, Munkmarsch, Archsum und Morsum.
- Sylter Friesendörfer: Viel gibt es über diese nicht zuberichten. Alte Bauerndörfer, wo sich die Natur von ihrer schönsten Seite zeigt. Hier schlägt das grüne Herz der Insel. Auf den alten Gleisbetten der Sylter Schmalspurbahn ist heute ein Fahrradweg entstanden, der mitten durch diese Dörfer führt.
- Rantum: Rantum gilt als Sylts schmalste Stelle. Sollte die Insel jemals auseinander brechen, was bereits Prophezeit wird, dann wird es wohl hier sein. Kurz vor Ausbruch des 2. WKs wurde hier durch den Reichsarbeitsdienst, ein etwa 600ha großes Gebiet durch einen Deich abgetrennt, um als Flughafen für die Wasserflugzeuge der Deutschen Wehrmacht zu dienen. Heute ist es ein Vogelschutzgebiet, man nimmt an, das 25.000 verschiedene Arten von Vögeln hier ihre Brutplätze haben. Die ehemaligen Kasernen dienen heute als Jugendherbergen, Wohngebiet und Hotelanlagen. Rantum gilt aber auch mitunter als ruhigste Stelle, hier geben sich über 3000 Freilaufende Wiesenlämmer die Klinke in die Hand. Diese sind Jahraus, Jahrein auf der Anlage, einmal im Jahr werden sie in die Ställe zum Scheren gebracht. Zeitgleich bekommen hier dann Lämmer ihre Ohrenmarken.
Übrigens, Rantum bedeutet soviel wie „Stadt der Meeresgöttin Ran“.
- Hörnum: Die Südspitze der Insel. Während der Strand auf dem Rest der Insel Kurabgabenpflichtig ist, so ist in Hörnum ein Besuch ohne Kosten möglich. Für die großen bietet sich hier die Möglichkeit auf ein ausgiebiges Sonnenbad, für die kleinen ein Besuch im größten Sandkasten der Welt. Der Hörnumer Hafen bietet einige Fischkutter feil, aber zumeist legen hier Ausflugsdampfer ab. Von Hörnum nach Helgoland, und in die Ganze Welt. Teil der Rundfahrt war auch eine Kaffeefahrt mit der Adler VI, die uns von See die Südseite der Insel zeigte. Somit waren wir am Südlichsten und Nördlichsten Punkt Sylts, zudem gilt letztrer auch als nördlichster Punkt Deutschlands.
Zurück ging es nun vorbei an Samoa, Sansibar, der alten Marinesiedlung wieder hinein nach Westerland. Nach einem kurzen Aufenthalt am ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof), wo für die meisten Fahrgäste die Fahrt zuende war, ging es noch zurück an die Nordseeklinik. Pünktlich zum Abendbrot. Vorher durften wir aber noch dem Fluchen der Busfahrer lauschen, die sich untereinander drüber ausliesen, das es blöd seie, das die Nordseeklinikleute ihren Feierabend nach hinten rauszögern, ebenso durfte man die merkwürdige Zeile „zieht den Bayern die Lederhosen aus“ hören – wer da wohl verloren hat?
Begleitet von schallendes Gelächter der Klinikfahrgäste stapfte der Busfahrer zurück zum Bus. Tja, Headset aus beim Busverlassen, wäre vielleicht nicht verkehrt. Trinkgeld gab es von uns jedenfalls keines
Kommenden Samstag werde ich es mir gönnen, an einer Fahrt zu den Seehundbänken teilzunehmen. Seesterne will ich ja auch noch finden. Hilfe, das artet in Streß aus *g*